Neurostimulation: Therapie bei chronischen Schmerzen

Allein in Deutschland leiden mehr als zehn Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Als chronisch gelten Schmerzen, wenn sie länger als sechs Monate andauern. Dieses Krankheitsbild stellt für Betroffene einen belastenden Ausnahmezustand dar, der mit körperlichen, seelischen und sozialen Folgen einhergehen kann.

Prof. Dr. med. Jan Vesper

Auf der Suche nach Linderung nehmen Patienten viele Behandlungen in Anspruch die nicht den gewünschten Erfolg haben, oder benötigen verschreibungspflichtige Schmerzmitteln, die entsprechende Nebenwirkungen haben. Das Zentrum für Neuromodulation in der neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf unter Leitung von Prof. Dr. med. Jan Vesper ist spezialisiert auf die Behandlung chronischer Schmerzen mittels Neurostimulation.

Bei neuropatischem Schmerz – oder auch Nervenschmerzen – wird Neurostimulation eingesetzt, um Schmerzsignale auf ihrem Weg durch die Nervenfasern zum Gehirn zu überlagern oder zu unterbrechen, wodurch das Schmerzgefühl ausgeschaltet oder gelindert werden kann. Das Nervensystem übermittelt Information grundsätzlich in Form von bestimmten elektrischen Impulsen, man spricht von tonischen und gebündelten (Burst-) Wellen. Diese Informationswellen werden dann vom Gehirn empfangen und verarbeitet. Auch bei chronischen Schmerzerkrankungen wird der Nervenschmerz prinzipiell immer auf diese Weise übertragen. Dabei wird allerdings infolge der beschädigten Nerven eine defekte Information gesendet, die vom Gehirn als Schmerz übersetzt wird. Mit Hilfe moderner Neurostimulatoren kann diese defekte Information überschrieben werden. Die umgangssprachlich auch als „Schmerzschrittmacher“ bezeichneten Implantate sprechen sozusagen die Sprache des Gehirns und können so anstelle des Schmerzes sinnvolle Informationen übermitteln. Im Resultat sind neuromodulative Verfahren wie die Rückenmarkstimulation bei chronischen Nervenschmerzen oft deutlich wirksamer als konservative Therapieformen.

Die Neurostimulation ist eine bewährte Therapieform der Neurochirurgie, die bei der Behandlung verschiedener Verletzungen oder Erkrankungen des Nervensystems zum Einsatz kommt. Besonders erfolgreich wurden neuromodulative Verfahren bisher vor allem im Kampf gegen Bewegungsstörungen, beispielsweise bei der Parkinsonkrankheit und verschiedenen Tremorerkankungen, angewandt. Doch auch bei der Therapie nervenbedingter Schmerzerkrankungen bzw. von neuropatischen Schmerzsyndromen nach Verletzungen oder Operationen kann durch Neurostimulation oft eine Verbesserung der Lebensqualität und eine deutliche Reduzierung der benötigten Medikamente erreicht werden. Die Abteilung von Prof. Vesper und seinem Team befindet sich sowohl bei der wissenschaftlichen Expertise als auch bei den jährlichen Implantationszahlen von „Schmerzschrittmachern“ in der europäischen Spitze.

In einem minimalinvasiven, gewebeschonenden Operationsverfahren werden dünne Drähte, sogenannte Elektroden, implantiert, um das geschädigte Nervengewebe durch elektrische Impulse zu stimulieren. Die Elektroden werden dabei direkt an die schmerzende Stelle oder an die entsprechenden „Schaltzentralen“ im Rückenmark oder den äußeren Nerven gelegt. Für die Abgabe der elektrischen Impulse ist eine mit den Elektroden verbundene, kleine batteriegetriebene Steuerungseinheit zuständig. Diese sogenannten Neurostimulatoren oder „Schmerzschrittmacher“ sind Implantate, die in Funktionsweise und Aussehen an Herzschrittmacher erinnern. Nur werden die Impulse eben nicht an das Herz übertragen, sondern an das betroffene Nervengewebe.

Die Eingriffe werden von Prof. Vesper und seinem Team in der Regel ambulant und unter Lokalanästhesie durchgeführt. Die Kontrolle über die Programmierung der Geräte ist sicher und unkompliziert in der Anwendung. Dabei kommen bewährte Technologien wie WLAN oder Bluetooth zum Einsatz, die viele Patienten ohnehin schon täglich in ihrem Alltag nutzen. Die Therapie ist grundsätzlich reversibel, der eingesetzte Stimulator kann jederzeit ausgeschaltet und gegebenenfalls problemlos entfernt werden.

Kontakt

Zentrum für Operative Medizin II,
Ambulanz der Klinik für Neurochirurgie /
Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ),
Haus 4, Erstes OG
Terminvereinbarung und Patientenanmeldung:
Tel.: +49 211 – 81 17935 / 08778
Fax: +49 211 – 81 04514
E-Mail: neuromodulation@med.uni-duesseldorf.de

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