Prof. Dr. med. Jürgen Harms ist ein international renommierter Spezialist auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie. Seine weltweite Akzeptanz spiegelt sich in der Behandlung internationaler Patienten wider. Er hat mehr als 10.000 Wirbelsäulenoperationen geleitet und gehört damit zu den erfahrensten Wirbelsäulenexperten weltweit. Seit 2011 ist er Wirbelsäulenchirurg am Ethianum Heidelberg. Die von ihm entwickelten Operationstechniken in der Skoliose- und Tumorchirurgie sind wegweisend. Neben weiteren Innovationen sind sein „Harms-Titan-Korb“ und die Polyaxialschraube heute als „State of the art“ in der Wirbelsäulenchirurgie anzusehen. Die Harms Study Group gilt mit mehr als 100 richtungsweisenden Publikationen und Vorträgen als eine der erfolgreichsten Studiengruppen. Einer der Behandlungsschwerpunkte des Heidelberger Top-Chirurgen ist die Skoliose bei Jugendlichen. Zu dieser idiopathischen Adoleszenten-Skoliose (IAS) und ihren Behandlungsmöglichkeiten informierte Prof. Harms wie folgt:


Meistens macht sich eine idiopathische Adoleszenten-Skoliose, von der überwiegend ja das weibliche Geschlecht betroffen ist, im Alter von 12 bis 14 Jahren bemerkbar. Bei Feststellung einer skoliotischen Verkrümmung im genannten Alter ist zunächst eine radiologische Untersuchung in zwei Ebenen notwendig um überhaupt eine Basis zu haben um spätere Beobachtungen vernünftig einordnen zu können. Wenn klinisch und radiologisch eine Skoliose nachgewiesen ist, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig, um eine Progredienz zu erkennen. Nicht jede Skoliose verschlechtert sich während des weiteren Wachstums.

Es gibt 3 Möglichkeiten:

  1. Keine Veränderung des
    Skoliosewinkels
  2. Rückbildung der Skoliose
  3. Verschlechterung der
    skoliotischen Verkrümmung

Im Rahmen der ambulanten Behandlung wird meist eine Physiotherapie eingeleitet. Bei Skoliosen jenseits von 20° wird jedoch häufig auch eine Korsettbehandlung durchgeführt. Dies lehne ich ab, da bisher kein anhaltender Korrektureffekt bewiesen ist und es sogar zu einer Verschlechterung des meistens so-
wieso schon ungünstigen sagittalen Profils kommt.

Operative Therapie:

Die Entscheidung zur Operation hängt von der Progredienz der Skoliose ab. Dabei ist es wichtig, dass nicht nur die Verkrümmung in der koronaren Ebene bei der Indikation zur Operation entscheidend ist, sondern insbesondere auch die Entwicklung des sagittalen Profils und der axialen Rotation.

Operationstechnik:

Stellt sich die Indikation zu einer Operation, so sind grundsätzlich folgende Zugangswege möglich:
a) von hinten (dorsal)
b) von vorne seitlich
c) kombiniert von vorne und hinten

Zur Korrektur der Fehlbildung, unabhängig vom vorderen oder hinteren Zugang, werden Schrauben-Stab-Systeme benutzt, die eine bessere und sicherere Korrektur erlauben, als dies früher mit dem Haken-Stab-System der Fall war.

Hinterer Zugang:

Der hintere Zugang, mit Implantation von Schrauben-Stab-Systemen, ist auch heute noch die am häufigsten durchgeführte Zugangstechnik. Diese erlaubt eine gute Korrektur in deaVorderer Zugang: Der vordere (ventrolaterale) Zugang hat den Vorteil, eine Korrektur in allen Bewegungsebenen, frontal, sagittal und axial (Rotation), zu ermöglichen. Daneben ist die Länge der Instrumentation und damit die Versteifungsstrecke kürzer. Dies bedeutet eine bessere Funktion der WS.
r coronaren Ebene, eine Verbesserung in der sagittalen (seitlich) und axialen Rotationsebene ist sehr gering.

Vorderer Zugang:

Tethering: Diese Technik war primär nur für sehr junge Patienten gedacht (unter 12 Jahren), die noch über ein genügendes Wachstumspotential verfügen. Das Ziel der Operation ist, über ein Schrauben-Band-System eine Wachstumslenkung der Wirbelsäule vorzunehmen, ohne eine Versteifung im Bereich der instrumentierten Wirbelsäulenabschnitte zu induzieren. In den letzten 2 Jahren findet diese Technik auch bei Patienten gelegentlich Anwendung, bei denen das Wirbelsäulenwachstum abgeschlossen ist. In beiden Gruppen können durchaus erfreuliche Resultate erzielt werden. Andererseits darf nicht verschwiegen werden, dass es eine nicht unerhebliche Anzahl von Revisionseingriffen gibt.

Résumé:
In den letzten 20 Jahren haben sich die Operationstechniken und auch die Ergebnisse bei der Behandlung der idiopathischen Adoleszentenskoliose deutlich verbessert, so dass auch bei schwierigen Skoliosen durch Anwendung der verschiedenen Techniken gute Ergebnisse erzielt werden können. Inwieweit die Tethering-Technik in der Lage ist, mit voraussagbarer Sicherheit eine gleichwertige Korrektur mit Beibehaltung der segmentalen Mobilität zu erreichen, kann noch nicht endgültig beurteilt werden.

Häufig wird auch heute noch die Meinung vertreten, dass mit Abschluss des Wirbelsäulenwachstums (16-18 Jahre) eine weitere Verschlimmerung der Skoliose nicht möglich ist. Dies ist falsch! Durch die Fehlbelastung der Bandscheiben aufgrund der vorliegenden Verkrümmung kommt es zu einer frühzeitigen, asymmetrischen Degeneration im Bereich der schräggestellten Bandscheiben und damit zu einer weiteren Verschlimmerung der Skoliose im Erwachsenenalter. Bei den Skolioseoperationen im Erwachsenenalter handelt es sich um schwierige Eingriffe, bei denen häufig durch die Veränderungen im Bereich der Nachbarsegmente eine längere Versteifungsstrecke in Kauf genommen werden muss. Eine rechtzeitige Behandlung der idiopathischen Adoleszentenskoliose hätte dies verhindert.“

Kontakt
Prof. Dr. med. Jürgen Harms
Wirbelsäulenchirurgie
ETHIANUM Heidelberg
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Fax: +49 (0) 6221 8723 264
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