Arcardia-Praxisklinik

Dr. Henning Saupe im Interview zum Thema Borreliose

Borreliose beschreibt eine Gruppe von Infektionskrankheiten, die durch bestimmte Bakterien, die Borrelien, ausgelöst werden. Diese benötigen als Überträger Zecken und Läuse, wodurch gerade Menschen, die sich viel in der Natur bewegen, gefährdet sind.

Bild: Arcadia Praxisklinik

Es gibt unterschiedliche Arten von Borreliose. Herr Dr. Saupe, welche Arten von Borreliose behandeln Sie in der Klinik?

Die Borrelieninfektion wird in 3 Stadien eingeteilt. Als erstes wird nach einem Zeckenbiss bei ca. 50% aller Patienten eine wandernde Hautrötung wahrgenommen, die vom Hausarzt mit Antibiotika behandelt werden sollte. Wird dies verpasst oder nicht ausreichend behandelt, geht die Borreliose nach Wochen bis einigen Monaten in die zweite Phase über: grippeähnliche Symptome und Gelenkentzündungen mit Schmerzen. Wird auch diese Phase nicht wirksam behandelt kann sich eine sogenannte Lyme-Arthritis mit Beteiligung des Nervensystems einstellen, was wir dann Neuroborreliose nennen. Komplexe und oft diffuse neurologische Symptome wie ungewöhnliche Müdigkeit, Leistungsabfall, Konzentrationsschwäche und Schmerzen sind dann typische Symptome, die oft auch mit Depressivität einhergehen. Viele Menschen, die an unerklärlicher langanhaltender Müdigkeit leiden und schon einmal eine Borreliose hatten, sollten sich untersuchen lassen, ob die Infektion noch aktiv oder wirklich völlig ausgeheilt ist.
Von chronischer Borreliose sprechen wir, wenn die Symptome über viele Monate bis zu vielen Jahren anhalten. Die Reihe möglicher Symptome ist lang und es gleicht einer Detektivarbeit, diese einer Diagnose zuzuordnen. Hier beginnt die komplexe Arbeit, die wir mit unserer Patienten durchführen: Auflisten aller Symptome, unter denen der Patient leidet, andere Ursachen als die einer Borreliose überprüfen und gegebenenfalls ausschließen, Labordiagnostik durchführen, mitserologischen Tests, LTT, im Einzelfall werden PCR-Untersuchungen durchgeführt.

Welche Therapieformen bieten Sie in der Klinik an?

Für Patienten im Stadium 2 oder 3 der Borreliose hat sich in unserer Praxisklinik eine Kombination von intravenöser Antibiotikatherapie mit moderater Ganzkörperhyperthermie als effektiv erwiesen. Dabei wird der Patient mittels Infrarotlicht in einen Fieberzustand versetzt, mit einer Körperkerntemperatur von ca. 39.5°C, also wie bei einer Grippe. Das parallel per Infusion gegebene Antibiotikum wirkt tiefer und stärker, weil die Durchblutung im Fieberzustand effektiver ist und das Immunsystem durch das Fieber zusätzlich noch aktiviert. Das bringt bei der chronischen Borreliose einen entscheidenden Vorteil.
Die Intensität der von uns verabreichten Therapien richtet sich sehr individuell nach dem Symptombild, den Laborbefunden, der Schwere der Symptome und dem Grad der Chronifizierung, also wie lange der Patient unter den Symptome bereits gelitten hat. Sie reicht von einzelnen ambulanten Behandlungen bis hin zur 3-wöchigen Intensiv-Therapien für Patienten, die dafür in unserem Patientenhotel untergebracht werden und zusätzliche Erholung im Kurpark finden können, der unsere Praxisklinik umgibt.

Sie setzen zur Behandlung auch natürliche Anti-Borrelia Stoffe und antientzündliche Naturstoffe ein, worin liegt der Vorteil?

Neben der Anwendung der klassischen Antibiotika wie Ceftriaxon, Doxycyclin oder Minicyklin, um die wichtigsten Vertreter zu nennen, behandeln wir auch mit eine Reihe von antibiotisch wirkenden biologischen Stoffen, wie z.B. dem Artesunat, einem Extrakt aus dem chinesischen Beifuss.
Den größten Vorteil unserer Kombinations-Behandlung mit künstlich ausgelöstem Fieber (Hyperthermie) und den parallel verabreichten Infusionen sehen wir darin, dass wir in vielen Fällen erlebt haben, wie bei Patienten bei denen trotz zahlreicher Behandlungen und wiederkehrenden Symptome, eine tiefergreifende und anhaltende Befundverbesserung erzielt werden konnte.

Gibt es derzeit einen Impfstoff gegen Borreliose?

Einen Impfstoff gegen die Borreliose gibt es zurzeit nicht. Für die ebenfalls durch Zecken übertragene Viruserkrankung Frühsommer-Menogo-Enzephalitis gibt es Impfungen, die leider mitunter schwere Nebenwirkungen auslösen können. Das sorgsamem Untersuchen der Haut, insbesondere der behaarten Haut, nach Wiesen- oder Waldspaziergängen und das schnelle, innerhalb von 12-24 Stunden, Entfernen von Zecken auf der Haut ist die sicherste Methode, um sich vor Zecken-übertragenen Erkrankungen zu schützen.

Kontakt

Arcadia Praxisklinik
Dr. med. Henning Saupe
Im Kurpark 1, 34308 Bad Emstal
Tel. 05624-92379-18
www.arcadia-praxis.de

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